15. Januar 2016

Vokabeln lernen durch Wischen und Tippen

Heidtech erprobt seit einem halben Jahr in vier Klassen des Technischen Gymnasiums den Unterricht mit Tablets

Der Unterricht der Zukunft – an der Heidtech könnte er derzeit erprobt werden. Statt mit Block und Stift lernen vier Klassen des Technischen Gymnasiums (TG) seit einem halben Jahr allein mit Tablets. Durchaus mit ersten Lernerfolgen.

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Heidenheimer Zeitung)

 

14 Schulen im Land erproben seit Anfang des Schuljahres den Schulversuch zum Einsatz von Tablets im Unterricht. Mit dabei ist auch die Technische Schule Heidenheim (Heidtech), wo die 93 Schüler in den vier Eingangsklassen mit einem Tablet ausgestattet wurden. Als Pilotschule erproben knapp 40 Lehrer in ihren Fächern mit technischer Unterstützung die Schulstunde – durchaus erfolgreich, wie Schulleiter Markus Benkmann-Köhler betont und schon weiter plant: "Wir haben das gesamtpädagogische Konzept so aufgestellt, dass wir langfristig allen Schülern und Kollegen ein Gerät zur Verfügung stellen wollen", kündigt er an.

Soll heißen: In der Endstufe sollen zwischen 350 und 400 Tablets zur Verfügung stehen, neben den Eingangsklassen soll dann auch in den Klassen 12 und 13 der Einsatz von Tablets zum Dauerzustand werden. Bis zum Abitur sollen die Schüler das technische Hilfsmittel als Bestandteil des Unterrichts nutzen – so, wie es in den elften Klassen bereits gang und gäbe ist. Durch die Tablets werden andere Unterrichts-Hilfsmittel verzichtbar, Whiteboards etwa gehören der Vergangenheit an.

Doch wie sieht das Projekt in der Praxis aus? Vieles, was von den Schülern verlangt wird, hängt in irgendeiner Form mit dem Tablet zusammen. Kooperatives Arbeiten nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Mittels diverser Software-Programme, egal ob als App oder browserbasiert, können die Schüler etwa auf ihren persönlichen Kalender zugreifen, via E-Mail kommunizieren oder ihren Stundenplan inklusive vermerkter Klassenarbeiten aufrufen.

Der Zugriff auf Materialien und Plattformen ist um ein Vielfaches einfacher, die berühmt-berüchtigte Zettelwirtschaft und schwere, täglich mitzuschleppende Ordner werden schlicht nicht mehr benötigt. Den Lehrern wiederum erschließt sich eine einfachere Unterrichtsgestaltung – und eine fokussierte Lernzielkontrolle. "Die Schüler können mir die Hausaufgaben zum Beispiel per E-Mail zukommen lassen", sagt Melanie Meyer, die an der Heidtech das Projekt Eule (Erleichtertes Üben, Lernen, Erarbeiten) verantwortet. Überhaupt hat die Pädagogin erste  Lernerfolge beobachtet: "Seit die Schüler mit einer Lernsoftware Vokabeln lernen, sind die Noten bei Vokabeltests besser geworden." Auch Rolf Väth, technischer Projektleiter, sieht Vorteile: "Der Schüler hat statt einem Block das Tablet vor sich liegen. Die Dokumentation des Unterrichts ist völlig anders, alles Wesentliche findet sich auf dem Gerät."

Es heiße ja immer, Schule solle lebensnah sein, sagt Markus Benkmann-Köhler. "Das ist sie hier, das ist die Lebenswelt der heutigen Schülergeneration", zeigt sich der Schulleiter von dem Tablet-Projekt überzeugt. Zumal man noch keinerlei Kenntnisse habe, dass sich Schüler im Unterricht mit Dingen abseits des eigentlichen Lernstoffes beschäftigten. "Die Schüler disziplinieren sich in diesem Punkt auch selbst", sagt Frank Metz, verantwortlich für die technisch-pädagogische Umsetzung des Pilotprojekts. Auf der Heidtech kontrolliert niemand, was sich auf den Festplatten der Tablets abspielt." Das wäre durchaus möglich, da wir die Geräte zentral managen und somit auch sehen können, wenn die Speicher voll sind", erklärt Rolf Väth.

Um den Schritt zum technikspezifischen Unterricht zu gehen, wurde an der Heidtech die Infrastruktur angepasst. Dazu wurden im gesamten Gebäude neue Leitungen gelegt, Beamer angeschafft und mehrere Wlan-Hotspots angelegt. 45 000 Euro fließen in diesem Jahr aus dem Schulbudget in das Projekt. "Wir sind auf hohem Niveau", sagt Frank Metz.

Das macht sich auch in anderer Form bemerkbar. Zum Start des neuen Schuljahres im September sollen die nächsten Berufsschulen in Baden-Württemberg in das Projekt einsteigen. Deshlab erhält die Heidtech regelmäßig Besuch anderer Schulen, die sich über die Umsetzung in Heidenheim informieren. Rolf Väth reist zudem durchs Land, um Pädagogen fortzubilden. Die Umsetzung des Schulversuchs am Technischen Gymnasium wurde breit aufgestellt. Rund die Hälfte der insgesamt 80 Pädagogen der Schule sind in das Tablet-Projekt aktiv involviert, auch bei älteren Kollegen hat es schnell Anklang gefunden. Der Austausch der Lehrer untereinander sei intensiver geworden. Stück für Stück solle ein gemeinsamer Unterricht entwickelt werden, sagt Markus Benkmann-Köhler. "Den Einzelkämpfer-Lehrer gibt es nicht mehr.

Bericht und Foto: Mathias Ostertag

 

Bildunterschrift:

Unterricht nicht nur fĂĽr Technik-Affine: Die Heidtech ist eine von 14 Pilotschulen im Land, in der Tablets als wesentliches Hilfsmittel im Unterricht eingesetzt werden (links im Bild Melanie Meyer, einer der fĂĽr das Tablet-Projekt Verantwortlichen in der Heidtech).